Interview

Angeln: Ein vielseitiges Hobby stellt sich vor. Foto: Fischereiverband

Die Große Freiheit

Angeln – ein Hobby, das einfach niemals aus der Mode kommt. Gerade in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit, zieht es manchen digital gestressten Zeitgenossen an Bäche und Flüsse auf der Suche nach einer entspannenden Freizeitbeschäftigung.
Wir sprachen darüber mit Jörg Zitzmann, dem amtierenden Präsidenten des Fischereiverbands Mittelfranken.

 

Wer angelt, sollte viel Zeit mitbringen. Nichts für ungeduldige Menschen oder solche, die ständig den Blick aufs Smartphone werfen müssen?
 
Jörg Zitzmann: „Das Smartphone ist beim Fischen nicht hinderlich. Manche benutzen die neue Technik tatsächlich, um beim Fischen Vorteile zu erlangen. Damit können die Gewässerstrukturen erkennbar werden, um die Standplätze der Fische eingrenzen zu können. Die Technik macht also auch vor der Fischerei nicht Halt.“
 
Wie halten Sie es persönlich?
 
Zitzmann: „Ich nehme kein Handy zum Angeln mit, weil ich meine Ruhe haben will und such‘ mir einen Platz, wo mich keiner findet und sieht. Ich liebe Fließgewässer wie die Schwarzach oder die Altmühl, und immer wenn ich dort angle, sehe ich einen Eisvogel und mindestens einen Biber. Es kommt also das Naturerlebnis noch dazu.“
 
Was ist am Angeln so prickelnd?
 
Zitzmann: „Es bietet sich zur reinen Entspannung an. Zwar gibt es Sitzangler, die mehrere Stunden an einem Ort verweilen. Man muss aber nicht nur im Lehnstuhl sitzen und die Angel reinhängen lassen, denn es gibt viele verschiedene Arten des Fischens. Das Spinnfischen etwa ist sehr sportlich, aber auch das Fliegenfischen, das als Königsdisziplin gilt. Dabei wirft man einen künstlichen Köder, der zum Beispiel einen kleinen Krebs, ein Insekt oder einen Fisch imitiert, aus und zieht ihn immer wieder herein. Der Huchen – bekannt als Donaulachs – beispielsweise gilt als der Fisch der 1 000 Würfe. Man bleibt dabei nicht an einer Stelle des Gewässers stehen, sondern kann mehrere Kilometer wandern und immer wieder die Angel auswerfen. „Mobile Angler“ kämpfen sich dagegen durchs Gebüsch, um an das Gewässer zu kommen, und zum Beispiel an der Schwarzach muss man gewaltig klettern, um ans Wasser zu gelangen. Das kann ziemlich anstrengend werden.“
 
Wo gibt es in Mittelfranken die besten Fanggebiete?
 
Zitzmann: „Das Fränkische Seenland ist ganz ausgezeichnet und der Happurger Stausee, beide werden vom mittelfränkischen Fischereiverband bewirtschaftet. Gut zum Angeln sind aber auch der Rhein-Main-Donau-Kanal durchgängig von den Grenzen der 0berpfalz bis zu den Grenzen 0berfrankens, oder der Wöhrder See in Nürnberg. Dazu kommen die Flüsse Altmühl, Wörnitz, Pegnitz, Bibert, Rednitz, Regnitz, Aisch, Zenn oder Rezat, die alle von unterschiedlichen Fischereivereinen bewirtschaftet werden.“
 
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BU: Angler aus Leidenschaft: Jörg Zitzmann ist der Präsident des mittelfränkischen Fischereiverbandes. Foto : Fischereiverband

Gibt es bestimmte Tageszeiten, an denen es mit den Angeln besonders gut klappt?
 
Zitzmann: „Bevorzugt in der Früh, sehr früh, und abends. Kurz: immer in der Dämmerung, wenn gerade die größren Fische im See aktiv werden und auf Raubzug gehen. Der Zander ist beispielsweise ein Nachtfisch, so dass man auch mal bis tief in die Nacht angeln kann.“
 

Hingehen und fischen – so einfach ist es sicherlich nicht, oder?
 
Zitzmann: „Schwarzfischerei ist ein Vermögensdelikt wie Diebstahl und kann eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren bringen. Außerdem müssen Fischereigesetze und Tierschutzgesetze eingehalten werden. Zudem hat man Schonzeiten zu beachten. Bachforellen dürfen nur von 1. März bis 30. September beangelt werden, während für Raubfische wie Hecht oder Zander von Februar bis Mai Schonzeit ist. Während dieser Periode findet das Laichgeschäft statt. Zandermännchen würde man dann leichter fangen, weil sie aktiv ihr Nest bewachen und ausgiebig Brutpflege betreiben. Aufgrund des Klimawandels verändern sich aber die Schonzeiten. Fischereivereine können sie festlegen und verlängern, wenn das Laichgeschäft noch nicht beendet ist.“
 
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BU:Angeln in seiner ganzen Vielfalt: Fliegenfischen (links oben), ein behindertengerechter Angelplatz (oben rechts) ein „Bootsangler“ bei Sonnenuntergang (unten links) und ein kapitaler Zander (unten rechts) aus dem Brombachsee.   Foto : Fischereiverband

Man braucht also eine Genehmigung. Woher bekommt man sie?
 
Zitzmann: „Kinder bis neun Jahre benötigen keinen Jugendfischereischein. Ab einem Alter von zehn Jahren ist ein staatlicher Jugendfischereischein, den Städte und Gemeinden kostenpflichtig ausstellen, als allgemeine Angelberechtigung Pflicht. Damit kann man eine Tageskarte kaufen, also eine gewässerbezogene Berechtigung, die zwischen fünf und 12 Euro kostet. Wer 18 Jahre und älter ist, darf nur angeln, wenn er eine Fischereiprüfung abgelegt hat. Dem voraus geht ein Kurs, der mehrere Wochenenden dauert und an dessen Ende eine 0nline-Prüfung stattfindet. Wer sie besteht, kann den staatlichen Fischereischein bei seiner Heimatgemeinde beantragen.“
 
Angeln eigentlich mehr Männer oder Frauen?
 
Zitzmann: „Gottseidank stellen wir fest, dass immer mehr Frauen dieser Leidenschaft nachgehen. Vor 20, 30 Jahren waren sie die absolute Ausnahme, heute angeln schon Mädchen sehr gerne. Beim mittelfränkischen Fischereiverband haben wir eine sehr gute Jugendarbeit und bieten zum Beispiel Jugendzeltlager an, die toll angenommen werden. Bis zu 250 Jugendliche im Alter zwischen 10 und 18 Jahren nehmen daran teil. Es gibt ein spannendes 0uiz und am Ende einen glücklichen Wettbewerbsgewinner.“
 
Welche Ausrüstung empfiehlt sich, was gehört unbedingt dazu?
 
Zitzmann: „Eine Angel, ein Kescher und eine Lösezange, mit der man den Haken aus dem Fischmaul löst, gehören zur Grundausstattung. Komplettsets sind für circa 25 bis 40 Euro zu haben. Die Preise können aber hochgehen bis zu 1 000 Euro, wenn man etwa eine handgefertigte englische Fliegenrute nutzen möchte. Anfängern rate ich, zum Fachhändler zu gehen und sich beraten zu lassen. Denn die Angel richtet sich danach, welche Fischarten man beangeln will. Für eine Forelle von bis zu zwei Kilogramm ist beispielsweise eine andere Ausrüstung nötig als für einen 80-Kilogramm-schweren
kapitalen Waller.“
 
Welcher war der größte Fisch, den sie jemals geangelt haben?
 
Zitzmann: „Das war ein fast 90 cm großer Zander, aber da gibt es weitaus erfolgreichere Angler als mich. Ein Foto von dem Exemplar habe ich zwar für mich gemacht, es aber nicht veröffentlicht.“
 
Was fischen Sie am liebsten?
 
Zitzmann: „lch gehe gerne auf Forelle und Zander, weil ich diese Fische gerne verwerte.“
 
Und wie?
 
Zitzmann: „lch bringe sie meiner Frau! Sie legt aber großen Wert darauf, dass sie küchenfertig sind. Alles andere vorher, das Fischen, Ausnehmen und das Rausschneiden von Filets, ist mein Job. lch esse den Fisch am liebsten mehliert gebraten und ohne jeglichen Schnickschnack.“
 

Quelle: Interview: Ilona Hörath | NN-Beilage: Freizeit-pur | 07.2018
 

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